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Unnötiger Hype oder tatsächliches Risiko: Steuerberaterhaftung bei Insolvenz

Stefan Burk, Marion Gutheil - BAK Sanierung / Insolvenz West,

Das Urteil (IXZR 285/14) des Bundesgerichtshofes im vergangenen Frühjahr hat nicht die Wellen geschlagen, wie mancher Außenstehender erwartet hätte. Aber warum? Ist die Zunft der (Steuer)Berater schon so gut aufgestellt? Gibt es weniger notleidende Mandate als gedacht? Ist das Risiko nicht jedem in Gänze bewusst? Oder greift doch die Vogel-Strauß-Methode um sich? Ein Blick in die Praxiserfahrung lässt eine Auswahl von Allem vermuten.

Die Hinweis- und Warnpflichten des Steuerberaters sind seit Januar 2017 weitreichender als es auf den ersten Blick scheint: Die Haftung beschränkt sich nicht mehr nur auf eine fehlerhafte Bilanzierung, oder auf die explizite Insolvenzreifeprüfung, und mit einem einfachen schriftlichen oder mündlichen Hinweis an den Mandanten ist es auch nicht mehr getan.

Vielmehr ist die Erstellung einer Fortführungsprognose notwendig, denn nur in diesem Fall ist der Ansatz von Fortführungswerten bei der Bilanzierung weiterhin möglich. Anderenfalls ist die aufgestellte Bilanz fehlerhaft, Haftung droht. Aber genau diese Anforderung kann das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Berater und Mandanten auf lange Sicht trüben. Wer ist schon gern der Überbringer schlechter Nachrichten?! Eine externe Lösung mutet jedoch zu teuer an und bei angespannter Liquidität erscheint jedes zusätzliche Beraterhonorar unsinnig. Der Steuerberater sitzt somit zwischen allen Stühlen, zumal die Berufshaftpflichtversicherung dieses Risiko im Allgemeinen nicht abdeckt! Eine Absicherung gegenüber späteren Haftungsansprüchen ist also in jeden Fall ratsam.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hält für kleine und mittlere Unternehmen Fördermittel bereit, um die Hürde, eine externe Beratung in Anspruch zu nehmen, gering zu halten. Im Fall eines Fortführungsgutachten, wäre die Erstellung für den Mandanten zu 90 % abgedeckt. Bis zu 3.000 EUR Beraterhonorar können staatlich gefördert werden. In der Praxis ist dies häufig ausreichend für die notwendige Begutachtung und Dokumentation der wirtschaftlichen Situation. Der Steuerberater genügt seiner Pflicht gegenüber späteren Ansprüchen, bleibt in seinem Mandat neutral und erfüllt die Bedingungen seiner Haftpflichtversicherung. Der Mandant erhält detailierte Aufklärung über seine
wirtschaftliche Situation, kann ggf. entsprechende Parameter verändern und die Beratungskosten fast kostenneutral ansetzen.

Fazit

Die Kriterien, um ein notleidendes Unternehmen auszumachen, stehen fest, die Handlungsempfehlungen ebenfalls, und die Risiken sollten ein Jahr nach Urteilsverkündung auch zu jedem Berater durchgedrungen sein. Gläubigerausschüsse weisen die bestellten Insolvenzverwalter mittlerweile aktiv auf die Prüfung eventueller Beratungs- und Hinweisfehler hin, erste Entscheidungen der Instanzgerichte bestätigen die Spruchpraxis des BGH. Genug Gründe, um sich als Steuerberater aktiv um eine Risikominimierung zu kümmern. Besonders, da sie so niedrigschwellig und einfach umsetzbar ist.

Über den Bundesarbeitskreis Sanierung/Insolvenz WEST

Der Arbeitskreis beleuchtet und diskutiert aktuelle Themen und Gesetzgebungen der umfangreichen Beratung von Sanierungs- und Restrukturierungsmandaten. Er ist dabei nicht nur passives Organ, sondern nimmt durch Veröffentlichungen und öffentliche Veranstaltungen direkten Einfluss auf aktuelle Geschehnisse. Durch die geballte Fachkompetenz und die verschiedenartige Zusammensetzung werden Sachlagen von mehreren Seiten bewertet und Ideen hervorgebracht. Dabei konzentriert sich der Arbeitskreis nicht allein auf die vorrangigen Themen der Sanierung und Insolvenz. Die jahrelangen Praxiserfahrungen der Mitglieder lassen auch die Bearbeitung von Randthemen im wirtschaftlichen und personellen Umfeld eines Mandates zu.