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DIGITALE FREMDFINANZIERUNG: EINE CHANCE FüR BEIDE SEITEN

In der Coronakrise steigt die Kreditnachfrage enorm. Doch gerade für kleinere Mittelständler wird die Finanzierung immer schwieriger. Stephan Schneider, Partner Manager der creditshelf AG, stellt unterschiedliche Plattformmodelle vor und erklärt, inwiefern sie Abhilfe schaffen können – und warum gerade die institutionellen Marktplätze für Finanzierungssuchende und Investoren ein Glücksfall sind.

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 ist der Zugang zu Fremdkapital für Mittelständler spürbar erschwert. In den letzten Jahren haben sich daher zunehmend Finanzierungsalternativen herausgebildet, welche Unternehmen eine Finanzierungsmöglichkeit abseits der Eigen- und Innenfinanzierung ermöglichen. Neben bereits lange bekannten Alternativen wie Factoring oder Leasing sind in den letzten Jahren Debt Fonds und Kreditplattformen hinzugekommen. Während Debt Fonds vornehmlich größere Darlehen, häufig in Sondersituationen wie Übernahmen oder Distressed, strukturieren, stehen insbesondere Plattformen für einen digitalen und innovativen Ansatz. Sie haben daher das Potential, entstandene Lücken zu füllen und auch für KMU attraktive Alternativen und Ergänzungen zur Hausbank darzustellen. Im Folgenden wird nun näher auf die Unterscheidungsmerkmale als auch auf die Mehrwerte verschiedener Plattformmodelle eingegangen.

Wir unterscheiden aktuell zwischen drei unterschiedlichen digitalen Fremdfinanzierungsmodellen:

Diejenigen, welche einen proprietären Kreditprozess haben und eine Prüfung des Kreditausfallrisikos unter Zugrundelegung eigener mathematisch-statistischer Verfahren durchführen. Sie vermitteln Kapital, welches sie bei privaten oder institutionellen Investoren einwerben. Ihre Tätigkeit schließt neben der gewerbsmäßigen Vermittlung von Finanzierungen auch die teilweise oder vollständige Übernahme des Servicings der von den Investoren erworbenen Forderungen ein. Bei diesem Modell handelt es sich um alternative Finanzierung. Ziel ist die Disruption der klassischen Kreditvergabe durch Banken. Mit der EU-Crowdfunding-Verordnung („European Crowdfunding Service Providers Regulation“, kurz ECSP) wird die besondere Rolle der Kreditplattformen als alternative Kreditgeber auch erstmals europaweit anerkannt. In ihrem Anwendungsbereich sind Banken für die Kreditvergabe nicht (länger) erforderlich.

Davon zu unterscheiden sind diejenigen Plattformen, die auf digitalem Wege ein bestehendes Angebot von traditionellen Finanzierern (Banken, Factoring- und Leasinggesellschaften, Debt Fonds etc.) mit der entsprechenden Kapitalnachfrage zusammenbringen. Sie haben jedoch typischerweise keine eigenen, vollständigen Scoring- oder Rating-Prozesse; ebenso wenig sammeln sie Kapital bei Investoren ein und begleiten das Schicksal der Forderung bis hin zum Forderungsmanagement. Sie sind teilweise nicht trennscharf abzugrenzen von reinen Vergleichsportalen. Ein weiterer Unterschied ist die Intervention in den Verhandlungs- sowie Preisfindungsprozess, welcher bei Vergleichsportalen in dieser Form nicht stattfindet. Reine Vermittlungs- und Vergleichsportale bieten also keine eigenen Produkte an. Anders als Kreditplattformen (im Sinne von Crowdfunding oder P2P-Plattformen) haben sie also nicht die Disruption der Kreditvergabe durch Banken zum Ziel.

Abschließend haben sich darüber hinaus alternative Finanzierer etabliert, welche weder klassische Finanzierungen vermitteln noch als P2P- oder Crowdfunding Plattformen agieren. Sie nehmen Kredite auf die eigene Bilanz (haben also ein eigenes Kreditbuch ähnlich einer Bank), wobei die Refinanzierung dieser Kredite in aller Regel aus dem Geld der Unternehmenseigner bzw. Equity-Investoren erfolgt.

Der Mehrwert für unterschiedliche Stakeholdergruppen

Welchen Mehrwert birgt es nun für Mittelständler, sich mit Ihrem Finanzierungsanliegen an eine Kreditplattform mit proprietärem Kreditprozess zu wenden?

Hier sind folgende Punkte entscheidende Vorteile:

Kreditplattformen sind im Vergleich zu klassischen Finanzierungsanbietern weit fortgeschritten bei der Digitalisierung, wodurch die Bequemlichkeit für den Kunden erhöht und Zeit bei der Kreditanfrage eingespart wird.

Sie können auch Kunden bedienen, die für Banken aufgrund des Aufwandes und/oder der Bonität nicht interessant sind und daher nicht kreditiert werden. Hier ist bspw. die Ticketgröße oder die erforderliche Eigenkapitalunterlegung bei schwächeren Bonitäten zu nennen.

Sie sind flexibler bei der Besicherung der Kredite oder können teilweise ganz auf eine (dingliche) Besicherung verzichten.

Die Komponente „time-to-money“ ist kürzer als bei Banken. Dies ist z.B. bei kurzfristigen Auftragsvorfinanzierungen oder zeitkritischen Akquisitionsfinanzierungen ein überaus wertvoller Vorteil.

Warum sollten Investoren nun bei einer Direct-Lending Plattform investieren?

Hier sind folgende Gründe relevant:

Sie erhalten Zugang zu einer Assetklasse, die sehr attraktiv ist, bisher allerdings schwerpunktmäßig Banken vorbehalten war.

Sie bekommen eine attraktive Rendite.

Sie können ein attraktives Kreditbuch einkaufen, anstatt einen eigenen, kostenintensiven Vertrieb aufzubauen.

Es gibt einen transparenten und nachvollziehbaren Risikomanagementprozess.

Das Vehikel zum Investieren kann individuell abgestimmt und ausgestaltet werden. Das heißt, je nach Investor und den damit verbundenen Vorlieben und Restriktionen kann individuell z.B. zwischen einem Fonds, einer Verbriefung / einem Wertpapier oder auch einem Direktinvestment gewählt werden.

Die Plattform administriert auf Wunsch den gesamten Investmentprozess.

Das Forderungsportfolio ist verhältnismäßig granular und weist daher eine hohe Streuung auf. Im Sinne der Portfoliotheorie werden so also Risiken gemindert und Renditen optimiert.

Es wird deutlich: Kreditplattformen bieten sowohl für Investoren als auch Kreditnehmer großen Mehrwert. Sie können Lücken schließen, welche klassische Anbieter aufgrund von Regulatorik, Niedrigzinspolitik und Strukturwandel in den letzten Jahren nicht mehr bedienen konnten.

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Den vollständigen Fachartikel als PDF finden Sie hier.

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