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Betriebsschließungsversicherung und Corona – ein Update

Jens Hebecker,

Nicht nur bei Softwareanwendungen sind regelmäßige Updates erforderlich – etwa um Fehler zu beheben oder die Funktionsfähigkeit für die Anwender zu verbessern. Auch bei Versicherungsbedingungen können Änderungen erforderlich werden, wenn eine Anpassung an technische Entwicklungen erforderlich ist oder äußere Rahmenbedingungen sich nachhaltig verändern – wie aktuell unter dem Einfluss des Corona-Virus.

Flächendeckend verordnete Betriebsschließungen als Reaktion der Behörden auf die Gefahr des SARS CoV-2-Virus haben auch die Versicherungswirtschaft einem Szenario ausgesetzt, auf das man nicht vorbereitet war. Aber auf welcher Grundlage hätte man die Auswirkungen auch im Vorfeld abschätzen und bewerten können? 

Interpretationsspielräume in den Formulierungen bisheriger Vertragsbedingungen

Dies zeigte sich besonders bei der Betriebsschließungsversicherung. Schadensanzeigen infolge des ersten Corona-Lockdowns haben gezeigt, dass die Bedingungswerke zahlreicher Anbieter „unsauber“ formuliert waren und Interpretationsspielräume zuließen. Dementsprechend unterschiedlich fielen dann auch die Entscheidungen der Versicherer aus.

Verständlich, dass die Politik regulierend einwirken wollte – wie bei der mit dem Hotel- und Gaststättenverband verhandelten „bayrischen Lösung“, die mehrheitlich als schlechter Kompromiss empfunden wurde. Ebenso verständlich, dass einige Kunden einen aus ihrer Sicht berechtigt empfundenen Leistungsanspruch über den Rechtsweg erstreiten wollten. Manche Klagen waren erfolgreich, andere wurden abgewiesen.

Bei der Novellierung der Vertragsbedingungen, Insolvenzen der Versicherer und explodierende Beiträge vermeiden – die Quadratur des Kreises?

Die Versicherungsbranche hat einige Monate gebraucht, um ihre Bedingungswerke zu überarbeiten und an die neuen Herausforderungen anzupassen. Pandemien sind nun auf die ein oder andere Art berücksichtigt – bei einigen Anbietern sind sie jetzt ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Klar war, dass eine „Alles-ist-immer-versichert“-Mentalität nicht die Lösung sein kann. Mit einem Beitrag, der höher ist, als eine zu erwartende Versicherungsleistung ist der Versichertengemeinschaft nicht geholfen, mit dem Verlust des Versicherungsschutzes durch Insolvenz des Versicherers nach einer Pandemie auch nicht.

So wünschenswert allumfassender Vollkasko-Schutz ist – er muss bezahlbar sein und den Versicherer in die Lage versetzen, Zahlungen zu leisten, ohne dabei seine Existenz zu gefährden. 

Eine generelle Versicherung gegen „flächendeckende“ Allgemeinverfügungen wird weiterhin nicht möglich sein. Eine „Vollkasko“-Versicherung gegen die Folgen eines COVID-Lockdowns würde bedeuten, dass nicht nur bei COVID-19, sondern auch bei jeder neu entdeckten Variante (wie zum Beispiel die zuletzt in England und Dänemark entdeckten Mutationen) jedes Mal erneut– möglicherweise mehrmals im Jahr – in vollem Umfang geleistet werden müsste. Das ist ein absolut unkalkulierbares Risiko.

Bedingungen wurden überarbeitet – Verfügungen, die den einzelnen Betrieb betreffen, sind nun eindeutig vom Versicherungsschutz gedeckt.

Die meisten Branchen können das Risiko der Betriebsschließung inzwischen wieder versichern, gegebenenfalls mit temporären Einschränkungen nach Regionen. Versicherbar sind nun eindeutig Einzelverfügungen, die einen bestimmten Betrieb betreffen. Dies gilt auch für Verfügungen, die vorsorglich ausgesprochen werden, obwohl es noch keinen Erkrankungsfall gegeben hat. Der Fleischereibetrieb, der zur Eingrenzung der Verbreitung der Schweinepest vorsorglich temporär von regionalen Behörden geschlossen wird, ist versichert. Auch der Eisdielenbesitzer, in dessen Räumlichkeiten Salmonellen festgestellt werden, erhält, wie auch schon vor der Corona-Pandemie, bei einer behördlich angeordneten Schließung auch weiterhin Leistungen von seinem Versicherer.

Unser Fazit: Durch Corona und die damit einhergehenden Unsicherheiten ist die Betriebsschließungsversicherung nicht zu einem schlechten Produkt geworden – aber zu einem sinnvollen und wertvollen Baustein Ihrer Firmenabsicherung, der eine eingehende Prüfung der Rahmenbedingungen und individuelle Beratung erfordert.

Möchten Sie sich gegen die finanziellen Folgen einer behördlich angeordneten Betriebsschließung versichern? Oder haben Sie bereits eine Betriebsschließungsversicherung und möchten überprüfen, ob Ihr Schutz an den Bedarf der Zeit angepasst wurde?

In unserem Beratungsgespräch erfahren Sie, welche Möglichkeiten es ganz konkret für Ihr Unternehmen gibt und erhalten auf diese Weise mehr Klarheit und damit auch ein Plus an Planungssicherheit für die Zukunft Ihres Unternehmens. 

Rufen Sie uns einfach an oder schicken Sie uns eine E-Mail. Wir sind gern für Sie da und stehen Ihnen natürlich auch bei Fragen zu Ihrem weiteren Versicherungsschutz mit Rat und Tat zur Seite.

Herzlichst, Ihr
Jens Hebecker
Vorstand

VERSTEEGEN
Assekuranz - Versicherungsmakler Münster AG